HENRI-PIERRE DUPRAZ
Henri-Pierre DUPRAZ
Im Herzen des Dorfes Soral treffen wir Henri-Pierre, einen Winzer, der anders ist als alle anderen. Zusammen mit seinem Vater John besitzt er ein 14 Hektaren grosses Weingut sowie einen 66 Hektaren grossen landwirtschaftlichen Betrieb. Zwischen Soral, Laconnex und Viry bauen sie Gamay, Gamaret, Cabernet Franc, Merlot, Pinot Noir sowie Chasselas und Chardonnay an.
Weinbau und Landwirtschaft sind bei den Dupraz eine Familienangelegenheit. Schon Henri-Pierres Grossvater leitete damals den landwirtschaftlichen Betrieb, doch es war John, der den Weinberg in den 70er Jahren ausbaute. Er hat übrigens schon immer mit «La Cave de Genève» zusammengearbeitet. Unser dynamischer Winzer erzählt uns, dass sein Vater, ein sehr aktiver Mann, sich noch immer grösstenteils um das operative Geschäft kümmert, denn neben der Arbeit auf dem Feld ist Henri-Pierre Anwalt und hat nach mehrjähriger Tätigkeit in einer grossen Kanzlei seine eigene Kanzlei für Wirtschaftsrecht gegründet.
Kindheitserinnerungen
Obwohl er schon immer – oder zumindest seit seiner Kindheit – wusste, dass er Anwalt werden wollte, blieb unser gewissenhafter Winzer dem Familienbetrieb stets verbunden, selbst während seines Jurastudiums. Übrigens: Bevor er das Weingut unter seinem Namen übernahm, hatte er es zunächst gemeinsam mit einer seiner Schwestern übernommen.
An seine Kindheit und Jugend in den Weinbergen hat Henri-Pierre unvergessliche und fröhliche Erinnerungen. Mit einem breiten Lächeln erzählt er uns, dass er die Arbeit im Weinberg, die er im Sommer während seiner langen Ferien verrichtete, schon immer genossen hat. Gerne erinnert er sich auch an die gemeinsamen Momente mit seinem Vater, als sie im Jeep sassen und stolz die Trauben zur La Cave brachten. Ausserdem denkt er an die schönen Momente des Beisammenseins am Tisch mit den Lese-Teams zurück. Gespräche, Lieder, Gelächter, lebhafte Mahlzeiten: das Leben eben!
«Man muss erst einmal hohe Ansprüche an sich selbst stellen, bevor man sie an andere stellt.»
Seine Aufgeschlossenheit hat Henri-Pierre vielleicht von seinen zahlreichen Reisen. Ob in Indonesien, Pakistan oder den USA, in Österreich und England im Rahmen von Erasmus-Aufenthalten – er ist gerne unterwegs und entdeckt neue Kulturen! Der Vater von zwei kleinen Töchtern im Alter von 9 und 5 Jahren gesteht uns, dass er bei seinen beiden Tätigkeiten sehr konsequent ist und von Natur aus hohe Ansprüche stellt – in erster Linie an sich selbst, erst danach an andere.
Was ihm am Beruf des Winzer besonders gefällt, ist natürlich der Kontakt zur Natur, die Verbindung zur Erde, aber auch die Rückbesinnung auf die wesentlichen Dinge des Lebens, das Konkrete. Er fügt hinzu, dass gegenseitige Hilfe ein wesentlicher Aspekt des Berufs sei und dass es unerlässlich sei, sich unter Kollegen gegenseitig zu unterstützen. Übrigens hat er nach dem Vorbild von «La Cave de Genève» in seinem Heimatdorf sogar eine Genossenschaft gegründet, unter anderem zusammen mit zwei befreundeten Winzerkollegen. Und weil er ein engagierter Mann ist, ist er auch Verwaltungsratsmitglied der «Laiteries Réunies» in Genf, obwohl er selbst kein Milchproduzent ist.
Leidenschaftsrot
Henri-Pierre liebt Rot – die Farbe des Merlot, einer vollmundigen und charaktervollen Rebsorte –, aber auch die verschiedenen Herbstfarben. Das sanfte Licht auf dem Laub, die Ruhe: Der Herbst ist für ihn eine ideale und zauberhafte Zeit, um mit seiner Familie für ein paar Stunden in die Berge zu entfliehen.
Ohne Wortspiele machen zu wollen, versichert Henri-Pierre, dass man sich, was die Genfer Weine angeht, «nicht zu schämen braucht»! Neben seiner Vorliebe für den Merlot liebt er einen guten Chasselas als Apéro, und diesen Wein bringt er übrigens oft seinen Freunden hier vor Ort oder denen im Ausland mit, um ihn bekannt zu machen. La Feuillée ist einer der Weine, der sein Herz bei jeder Degustation höher schlagen lässt.
Ein Blick in die Zukunft
Was die Zukunft angeht, betont Henri-Pierre, dass er nicht negativ sein wolle, dass die Landwirtschaft und der Weinbau jedoch vor grossen Herausforderungen stünden, wie dem Klimawandel, den Vorschriften oder auch den Umweltbelangen. Doch obwohl die Bevölkerung weniger Wein trinke, wolle er optimistisch und zuversichtlich bleiben, denn er wisse, dass die Winzer und Landwirte sehr hart arbeiteten und einfallsreich seien.
Schliesslich kümmert sich dieser «Hüter des Kulturerbes» – wie er sich selbst bezeichnet – um seine Ländereien, schützt die Natur so gut wie möglich und sorgt gleichzeitig für wirtschaftliche Tragfähigkeit, damit er eines Tages die Fackel weiterreichen kann…